ALP- Sommerlabor

Notizen seewärts, mit Blick auf die Berge


Zum Auftakt des Alp Sommerlabors ging es hoch hinauf, mit einer lehrreichen Rundwanderung auf dem Morteratsch Gletscher mit wunderschönen aber eben auch nachdenklich machenden Eindrücken von einem Gletscher auf dem Rückzug. Gemessen an seiner Fläche und seinem Volumen (1,2 km³) ist er der drittgrösste Gletscher der Ostalpen. Messungen zu seiner Längenveränderung werden seit 1878 durchgeführt. Bis 1998 hatte sich die Ausweitung des Gletschers um insgesamt mehr als 1,8 km reduziert, was einem durchschnittlichen jährlichen Rückzug von etwa 17,2 m entspricht.

Margreth Steiger
Morteratsch


 
Du knackst und knirschst
 schickst ein kehliges Grollen aus deiner Tiefe
 machst dich schlüpfrig und glatt
 eine ernstgemeinte Warnung, aber
 wir haben Metallzähne, schau
 wie wir uns in dir verhaken
 unsere Neugier gegen dein Sträuben
 Eins zu Null
 wir sind es gewohnt
 zu bekommen, was wir wollen
 auch wenn es uns nicht zusteht

 Es ist nicht bös gemeint, im Gegenteil
 bei Sandwichbrot und Kefirgetränk
 sprechen wir über dein tragisches Schicksal
 deine Wasserlaken, Wutseen
 übersteigen bald unsere Häuser
 bedrohen unsere mühsam aufgebauten Vierwandsicherheiten
 hinter Snow-farming und Vlies-Verlegung
 versteckt sich die rohe Angst und auch ein wenig Stolz
 Wir sind es uns nicht gewohnt
 zu bekommen, was wir nicht wollen
 auch wenn es uns zusteht

Zora Moll
Mort Eratsch

Vielleicht halt ich nicht mehr viel von dir.
Du kalter Brocken,
Alter Knacker,
Lahmarsch,
Stummer Bolzen
Blasse Masse,
Glänze-Glatze,
Kahler Klops.

Du sagst,
Ich habe zu viele Zigarettenstummel
Auf dein Toupet geschmissen.

Du sagst,
Du schmilzt dahin,
Je mehr ich dich verasche.
Und Wärme schweisst Körnchen
Senkrecht in dich hinein.

Glitzernd wässrige Löcherchen,
Du perforierst penibel.

Du sagst,
Du schwindest steigend.

Du sagst, du verzehrst dich
Schwer nach mir.

Ich sage,
Verarschen kann ich mich selbst
Dann zieh dich doch zurück.
Wie lang willst du’s noch verdecken,
Im Grunde bist du
Ein Haufen unsortiertes Material.
Schaler Schutt
Ganz tief unten
Recht kaputt

Du sagst
– und drückst du dich
Schwer und schleppend aus:

Ja, vielleicht
Schleifst du nur durch die Gegend
Und gehst auf glattem Eis.

Du sagst,
Vielleicht
Fällt der Schnee zu leicht
Auf deine Schulter.

Vielleicht aber
Fällt
Viel leicht
Trotzdem schwer.


Vom Gletscher zog es uns dann in den Bann von Trichtern und Kupferrohren. Im Laufe der Woche entstand unter der Ägide von Sara Masüger am Seeufer in St. Moritz eine temporäre Installation, eine Raum- und Klangmaschine, die selbst ein hölzernes Brückengeländer zum Tönen brachte.

Zora Moll
149 mio km2 vinyl

nehmen sie einen kupferstock.
innen hohl, höhe egal, besser etwas über spazierstockmaß.

kleben sie einen großen plastiktrichter an
das obere ende des stocks.

ziehen sie den stock, im laufen,
hinter sich her, so,
dass es in den boden kratzt.

ziehen sie das durch.
kratzen sie über lange strecken,
über stock, stein, andere stellen.
schaben und rattern sie richtig.

unterdessen
dreht erde leise weiter

und denkt (auch leise)
peinlich berührt,
dass sie vielleicht doch keine kugel,

sondern eine runde
knarzende
platte ist.

(inspiriert von klang-skulpturen, die im summerlab mit sara und fabian entstanden sind)


Fabian Gutschers Sound-Erkundungen begleiteten uns bei den Versuchen, uns in der Landschaft und im Wasser zu verorten.

Zora Moll
Stummer Grund

Ich stehe seit Jahren auf stummem Grund
– vierundfünfzig Zentimeter Asphalt,
grober Kies und Sand.
Da lauf ich glatt.

Die Häuser schwer 
Die Strassen wund
Es tobt schnell
auf stillem Grund 

Ich fahr drauf ab 
auf diesem Grund 
Ich fahr und fahr 
Ich bleib gesund
 

Gedicht vom Gemeinschafts-Tisch
'Hochmoor X Kreuz-Verhör

Auf einem Steg über einem Hochmoor stehen 
Und im Schlammgrund kleine Fischlei
Die nur darauf warten
Mir meine Hornhaut von den Füssen zu nagen. 

Linker Fuss Innenseite 
Meiner zwei äußersten Zehen:
Drei Mal am Tag stehen 28 Beine vor diesem Bild, 
Doch der Blick gilt nicht dem Bild.

Könnte ich das auch ohne Augen machen?
Man ist viel zu abhängig von den Augen 
Versus anderen Sinnen.

Was bliebt,
Hammern, Singen, Klopfen.
Aufeinanderprallen und entblössen 
Kreuz Kreuz 
Kreuzverhör 
Kreuz Kreuze Kreuzen 

Ich werde auch mit einer dunklen Färbung 
Aus dem Wasser kommen.
Dort war es dann wirklich sehr nass und rutschig,
Fast schon schmierig.

Man ist viel zu abhängig von den Augen
Ich stieg die Treppe hinab,
Es war dieselbe Temperatur wie gestern.

Ich stehe seit Jahren auf stummem Grund. 
Vierundfünfzig Zentimeter Asphalt, grober Kies und 
Sand 
Ich Laufe glatt
Auf leisem Grund 
Ich laufe mir die Füße wund
 


Mit Maya Minder ging es in den Wald und die Wiesen. Wir durchstreiften die Bergwelt der Umgebung, lernten, wie wir die gefundenen Pflanzen und Zutaten verarbeiten, und bereicherten damit unsere gemeinsamen Mahlzeiten um schmackhafte Zutaten. Durchaus auch mit einer kleine Portion Risiko – aber wie sagte schon Paracelsus: „Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist.“

Gedicht vom Gemeinschafts-Tisch
Johanniskraut – Eisenhut – Birke

Johanniskraut

/\______/\__ichmachedichruhig___/\_____/\_____/\__habe/\_____/\blutrotesöl___/\_____bindeine/\_stimmungsaufhellerin__

 

Eisenhut

/\_/\_/\_/\_/\_hilfe_/\meinehandkribbelt_/\_undmeinherz/\_/\_/\__istdasetwa/\_/\_/\/\_/\_nervengift?_/\

 

Birke

/\___mitmir___/\/\____wirstdu__/\/\__durchgespült,____/\/\_aufblaseund_____/\/\______/\/\_niere_____/\/\___geprüft___/\

Während des ganzen Wochenendes wurde die Gruppe von der fantastischen Köchin Corinne Venegas bekocht. Eine Auswahl ihrer Rezepte zum Nachkochen zuhause:

Riesiger Sonntags Zopf 

375g    Sauerteig Starter
300g    Milch
15g      frische Hefe
1          Eigelb
20g      Honig
20g      Meersalz fein
650g    Zopfmehl
120g    Butter Zimmertemperatur 

Alle Zutaten ausser der Butter miteinander verkneten. Weiter kneten und währenddessen die gewürfelte Butter beigeben. Weiter kneten, bis eine schöne glatte Oberfläche zu sehen ist. Mit einem feuchten Küchentuch 2 Stunden gehen lassen. Zu einem Zopf flechten und nochmals 1 Stunde gehen lassen. Backofen auf 200 Grad vorheizen, 50-60 min backen, bis beim Klopfen des Bodens ein hohles Geräusch zu hören ist.


Granola

400g    5 Korn Flocken Mischung grob
65g      Rohrzucker
50g      Kürbiskernen
50g      Sonnenblumenkernen
100g    Nüsse grob gehackt
100g    Mandelstifte
10g      Leinsamen
½ Tl     Vanillepulver
2 Tl      Zimt
¼ Tl     Salz
60g      Butter
20g      Rapsöl
60g      Honig 

Alle trockenen Zutaten in einer grossen Schüssel mischen. Butter, Öl und Honig in einem Pfännchen erhitzen. Flüssigkeit zu den trockenen Zutaten giessen und gründlich mischen. Alles auf zwei Bleche mit Backpapier verteilen. Backofen auf 150 Grad erhitzen. 12 min backen, herausnehmen und nochmals gut mischen und nochmals je 12 min backen. Herausnehmen und auf dem Blech vollständig auskühlen lassen. In gut verschliessbare Gefässe abfüllen.


Kardamom Weisswein Birne

6 Stk    Birnen geschält und halbiert
4 EL    Zucker
2,5 dl   Weisswein
2,5 dl   Wasser
12 Stk  Kardamomkapseln zerquetscht
1          Zitrone, Schale und Saft

Wasser, Zucker, Zitronenzeste, Zitronensaft und Kardamom aufkochen, bei kleiner Flamme die halbierten Birnen für eine ½ Stunde köcheln lassen, bis zum Servieren im Saft ziehen lassen.